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Tomaten – und ihre angebliche Herkunft

Werbeprospekte sollen uns zum Konsum anregen. Weniger anregend ist aber, wenn man diese Blätter mal genauer studiert. So passiert vor kurzem, mit der “Chinesischen Tomate Kentaro”. Da haben sich einige Unwahrheiten, gewollt oder ungewollt, “eingeschlichen” – und ein Anruf in der Presseabteilung brachte “absolute Klarheit”. 😉

Jetzt versteh’ ich nur noch chinesisch.

Der Prospekt einer nicht gerade kleinen, deutschen Gartenkette flatterte vor ein paar Tagen ins Haus. Unter dem Titel “Die Welt zu Gast bei …” werden verschiedene Gemüsesorten angeboten, darunter eben auch die erwähnte “Chinesische Tomate Kentaro”. Beschrieben wird diese Sorte mit “typisch asiatische Tomate, reift pink ab, sehr süß.” Damit war meine Neugier geweckt.

Eigentlich wollte ich ja nur wissen, ob es sich um eine F1-Hybride handelt oder um eine Heirloom-Tomate, OK, und natürlich ob wirklich “chinesisch”. Also, warum nicht beim Verfasser dieses Textes nachfragen? Gesagt getan, zwei Tage später meldete man sich wieder bei mir und schrieb mir folgendes:

“Die Beschreibung “typisch asiatisch” bezieht sich auf die Eigenschaften der Tomatensorte, nicht auf die Herkunft. Tomaten in China/Asien sind oft im 30-40 Gramm Bereich, sehr süß und rosafarben, wie auch bei der Sorte ‚Kentaro’.”

Aha, man bezieht sich also nur auf die Eigenschaften? Warum schreibt man dann “Chinesische Tomate Kentaro”? Naja, aber dann wurde es noch lustiger:

“Anbei habe ich Ihnen noch die Links der Züchter angehängt. Auch diese verkaufen die Tomate als asiatische Tomate.”

Dann folgten zwei Links. Ersterer führte direkt zum typisch chinesischen “Erfinder”. Der ist anscheinend aus China ausgewandert und sitzt jetzt zwischen Münster und Bielefeld. Und nein, er verkauft seine Sorte nicht als “asiatisch”, er  verkauft seine “Kentaro” als “Japanische Cocktailtomate Kentaro”. Egal, China oder Japan, ist eh’ alles Asien, oder? Ach ja, nicht zu vergessen: Es ist eine F1-Hybride (was in der Werbung ja auch nicht angeführt war). 😉



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4 Antworten auf “Tomaten – und ihre angebliche Herkunft”

  1. Stefan
    22. Mai 2011 08:06
    1

    Wir kaufen/essen halt Illusion. 😉
    Tomaten in Russland, Amerika oder Italien (um nur einige zu nennen) sind auch oft im 30-40 Gramm Bereich, sehr süß und rosafarben, wie auch bei der Sorte ‚Kentaro’.
    Vielleicht baute ich nächstes Jahr eine peruanische Kentaro an. 😆
    Aber halt – ist ja ein F1. Dann lieber nicht.
    mMn sollte verpflichtend angegeben werden ob Hybrid oder nicht.

  2. Henry
    26. Mai 2011 21:19
    2

    Ich will aber keine “werbe-mäßige” Illusion essen.. 😉

  3. Jörg
    7. Juni 2011 18:02
    3

    Haha, das ist klasse. 😆
    Was die immer versuchen so an den Mann zu bringen…
    Ist es eigentlich rechtens, einen Hybriden nicht kenntlich zu machen? Sollte so etwas nicht auf der Verpackung stehen?
    Gartenbärige Grüsse aus dem verregneten Süden,
    Jörg

  4. Marius Koch
    31. Oktober 2011 16:16
    4

    Einen Tomatenerfinder – den hätte ich gern mal kennengelernt 😉 und gedankt, denn dieses tolle Gemüse darf bei (fast) keinem Essen fehlen.
    谢谢 (=Danke 😛 )

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